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Ich mache seit neuestem Pilates. Während ich also mein Powerhouse entdecke, mich an abenteuerlichen Crunches versuche und dabei Muskeln erspüre, von dessen Existenz ich nie wusste, freue ich mich darüber, dass ich meine Komfortzone erweitert habe.

Wie das? Vor einigen Monaten flatterte mir die Vorab-Einladung, neudeutsch „Save the date“, zu einem besonderen Geburtstag ins Haus. Eine Schulfreundin, zu der ich seit langem schon keinen wirklichen Kontakt mehr habe, möchte groß feiern und hat sich meiner erinnert.

Nett. Eigentlich. Ich gehe aber davon aus, dass ich außer der Geehrten auf diesem Fest wirklich niemanden kennen werde. Das ruft alte Muster auf den Plan: Als kleines Kind wollte ich nicht auf Kindergeburtstage. Wenn ich nicht schon vorher erkrankte, brach es wortwörtlich zwischen Topfschlagen und Torte aus mir heraus und meine Mutter musste mich abholen. Sie kannte das schon und hatte wenig Mitleid. Ich war einfach schüchtern und fremde Menschen und Umgebungen waren mir ein Graus. Über die langen Lebensjahre ist es besser geworden und wer mich aus Job oder dem trubeligen Freundeskreis kennt, ist wahrscheinlich erstaunt, dass ich überhaupt ein Thema mit dem Fremdeln habe. Ich kann laut die Rheinländerin raushängen lassen, wenn es sein muss, auf dem Tisch tanzen mit eingeschlossen. Angriff ist schließlich die beste Verteidigung. Gib mir eine Rolle und ich werde sie erfüllen. Geschäftsführerin, Vertriebschefin, Gastgeberin – Haken dran. Aber nun alleine auf ein Riesenfest.

Abgekürzt: Ich bin hingegangen, obwohl ich – Freud lässt grüßen – vorher noch die Einladung verlegt hatte. Es war vor zwei Wochen und es war ein tolles Fest. Tolle Location auf dem Land, coole Musik, freundliche Menschen.

Natürlich kannte ich niemanden, aber die Gastgeberin parkte mich liebevoll bei ihren Pilatesmädels, die sie seit einigen Jahren unterrichtet. Und die Truppe war so nett, dass ich mich habe anstiften lassen, nun wöchentlich den Unterricht zu besuchen. Und auch das ist ein Spaß.

Auf der Feier rührten mich die Eltern der Freundin, die, obwohl beide über 80, das Tanzbein schwangen, ihre erwachsenen Kinder, die ich nur von Babybildern kannte und die alte Freundin selbst, die sich zu einer so zufriedenen, talentierten Frau entwickelt hat. Die ihren Kurs so führt, dass wir alle gerne mitmachen, die auf alle achtet, die alle auf ihren verschiedenen Levels mit nimmt, schöne Musik vorbereitet und dieser Gruppe Individuen einen Rahmen gibt, in dem frau einmal pro Woche den Kindern, dem Job oder was sonst noch entfliehen kann.

Und so entdecke ich nun mein Powerhouse. Weil ich meine Komfortzone erweitert habe. Wer weiß, wen oder was ich auf der nächste Party entdecken werde, auf die ich mit weniger Bauchkneifen gehen werde. Ich werde zusagen, unbedingt!


Bin ich die einzige, die den Namen Böhmermann nicht mehr hören kann? Die einzige, die nicht das Ende der Pressefreiheit herannahen sieht? Und Deutschland nicht in den Fängen der Türkei wähnt?

Keine Angst, ich will mich hier nicht auslassen über all diese hehren Themen, aber überrascht hat mich dann doch an den Diskussionen in den Social Media und anderen Medien, dass nur wenige Beiträge sich Gedanken darum machen, wie wir zu- und übereinander sprechen. Komisch kann heutzutage wohl nur noch sein, was Tabus bricht. Die Form der Satire wird zu Rechtfertigungszwecken eifrig beguckt und neu definiert.

Wer Politiker wird, muss als Grundausstattung gleich ein sehr dickes Fell mitbringen. Davon konnten schon die Lieblinge des Kabaretts, Politiker wie Kohl, Strauß & Co, ein Lied singen. Mir kommt es allerdings so vor, als wären das für die Betroffenen herrlich höfliche Zeiten gewesen. Im Höchstfall wurde jemand mal als „A§$%&loch“ tituliert, und das wahrscheinlich auch erst in einer Zeit, als dieses Wort bereits inflationär benutzt wurde.

Es ist so schizophren, wie wir uns als Gesellschaft auseinanderbewegen: auf der einen Seite erfreuen sich Benimm-Kurse höchster Beliebtheit, in denen sich der Neu-Manager den letzten Schliff in Sachen Tischmanieren und Weinsorten holt,  andererseits werfen wir uns in alltäglichen Situationen Worte an den Kopf, die wirklich unterirdisch sind. Wenn mir in meiner näheren, sehr ländlichen Wohngegend ein männlicher Autofahrer, der mir die Vorfahrt nimmt und daher sehr abrupt abbremsen muss, durch die geschlossene Scheibe ein „Blöde F*&%!“ zuruft, so dass ich das noch gut verstehen kann, dann frage ich mich schon: Was macht der denn, wenn wir uns demnächst mal über den Weg laufen?

Gleichzeitig begegnen mir Aktionen wie TrollBusters , die nötig sind, um Menschen zu helfen, die im Internet vernichtend beschimpft werden. Für ihre Meinung, für ihre Äußerungen, für ihr Dasein. Es geht um den Hass von Männern auf Frauen, aber das steht für mich hier gerade nicht im Mittelpunkt. Es geht mir vielmehr darum, wie wir grundsätzlich miteinander umgehen. Im Web, im Straßenverkehr, in der Nachbarschaft, als Frauen und Männer. Und wie mit unseren oder fremden Politikern.

Erdogan ist ein Diktator? Putin ist kein Demokrat? Wenn wir hierfür Beweise haben, dann können und müssen wir diese Dinge benennen. Meinungen können vertreten, Kritik kann ausgesprochen werden. Zum Glück leben wir in einem freien Land.

Über Geschmack läßt sich trefflich streiten. Lasst uns das unbedingt tun, denn ich finde, Vertreter des schlechten Geschmacks gibt es zur genüge. Für mich gehört Herr Böhmermann dazu, zumindest was sein Schmähgedicht angeht. Ich stelle mir vor, man sagt jemanden diese Dinge, die darin vorkamen, ins Gesicht,.  Es gehört schon eine gehörige Portion Autismus dazu, da nicht beschämt zu sein. Warum soll es Teil der Freiheit sein, andere beschimpfen und beleidigen zu dürfen? Und was nehmen wir uns alles heraus: Politikerschelte, Medien-Beschimpfung, alles sehr emotional, aber was ist begründet? Nicht nur Trolle ranzen in der Inter-nicht-so-netten Welt andere an, sondern auch normale Meinungsmenschen nehmen kein Blatt vor den Mund.

Natürlich kann ich mich auf den Standpunkt stellen, dass niemand die Macht hat, mich zu beurteilen und zu beleidigen, dass ich so stark bin, dass es mich nicht anficht, wenn Menschen mir ihren Hass entgegenbrüllen. Unsere Kanzlerin muss mit diesem Talent gesegnet sein, denn es ist über die Jahre keine Karrikatur, keine kabarettistische Häme, kein Witz ausgelassen worden, was ihr Äußeres, ihre Intelligenz, ihr Wesen und ihre vermeintliche Unfähigkeit angeht. Und wenn die Griechen nicht gerade Fotomontagen kleben, die sie in SS-Uniform zeigen, wundert sich die Welt über die letzte inländische Kritik, die an der sehr geschätzten Frau Merkel, nun Kanzlerin seit 2005, noch bestehen mag. Wer zuletzt lacht.

Aber wenn wir uns selber fragen, wie es sich anfühlt, beleidigt, bezichtigt, angegriffen zu werden, dann stelle ich für mich selbst fest: Das fühle ich selbst körperlich. In der Magengegend. Und selbst, wenn ich genau weiß, dass es absoluter Blödsinn ist, was mir jemand vorwirft oder dass eine Beleidigung völlig abwegig ist, frage ich mich schon, wo dieser unglaubliche Hass und die Aggressivität herkommt. Die spüren wir immer, ob gerechtfertigt oder nicht.

Wieso tun wir das einander an? Wie wollen wir miteinander umgehen? Glauben wir wirklich, dass wir etwas beim anderen erreichen, wenn wir ihn oder sie beleidigen?

Kritik geht auch sachlich und konstruktiv, aber sie darf nicht bewußt beleidigen.

Kunst und Satire dürfen alles? Das glaube ich nicht. Ich bin gespannt auf das Urteil der Justiz, die bestehendes Recht sprechen und interpretieren wird. Über Geschmack wird dort nicht geurteilt werden. Humor ist, wenn man trotzdem lacht? Man mag ihn mir absprechen und ich entgegne: Diese Form davon teile ich nicht.


"It is our choices ...  that show who we truely are, far more than our abilities." Harry Potter and the Chamber of Secrets

 

J.K. Rowling, Harry Potter Erfinderin und eine der erfolgreichsten Schrifstellerinnen der Welt, hat Verlags-Absagen ihres neueren Buchs auf Twitter veröffentlich.

Dazu muss man wissen, dass Rowling ihren "Erstling post Potter"  unter einem Pseudonym verfasste und jene Verlage das Buch einer Unbekannten beurteilten. Auch ihr erstes Harry Potter Buch, das zusammen mit seinen 6 Nachfolgern zu den auflagenstärksten Romanen der Welt gehört, war zunächst von einem Dutzend Verlagen abgelehnt worden.

J.K. Rowling betont, sie habe die Absage-Schreiben nicht veröffentlicht, um die Verlage zu beschämen, sondern um vermeintlich erfolglosen, da mit ihren Werken abgelehnten Schriftsteller-Kollegen Mut zu machen.

Das macht sie sympathisch und brachte mich auf den Gedanken, dass ein Schriftsteller und eine Schriftstellerin sehr resilient sein müssen, um zuerst ihren Phantasien Leben einzuhauchen. Um dann ständig am Ball zu bleiben und den Plot aufs Papier zu bringen. Um das Werk stets zu verfeinern und schließlich zu beenden, bevor sie sich der Welt draußen stellen und sich um die Veröffentlichung bemühen. Noch bevor ein Lektor weiter Hand an die eigene Kreation legt, werden Exposés erstellt und beurteilt, wird Interesse bekundet oder werden Absagen ausgesprochen. Wie wird man so mutig oder: Wie kann man mit den Absagen umgehen, ohne den Mut zu verlieren, ohne sich selbst in frage zu stellen, ohne aufzugeben?

Resilienzfaktoren sind Eigenschaften, die wir als Kind im Zusammenspiel mit unserer Umwelt erwerben, indem wir erfolgreich jene Entwicklungsaufgaben bewältigen, die unserem Alter entsprechen. Zu diesen Faktoren der Resilienz gehören laut Wissenschaft u.a. eine positive Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeitsüberzeugung, eine angemesse Selbststeuerungsfähigkeit, soziale Kompetenzen, ein angemessener Umgang mit Stress und Problemlösungskompetenz.

J.K. Rowling brauchte Optimismus, um Niederlagen zu überwinden. Sie brauchte die Überzeugung, dass ihr Buch so gut ist, dass es veröffentlich werden muss. Nehmen wir an, wir würden stattdessen von unseren Gefühlen so überrollt, dass wir sie bzw. uns nicht mehr steuern könnten. Nehmen wir an, wir würden so im Unglück über unseren Misserfolg versinken, dass wir nicht mehr aus dem Bett kämen: Ein Erfolg wäre so viel schwerer zu erreichen als wenn wir uns stattdessen im nächsten Anlauf überlegten, wie wir doch noch erfolgreich sein können. Oder wie wir uns zumindestens die Freude am Erschaffen bewahren können, um uns am nächsten Tag wieder an den Schreibtisch zu setzen und weiterzuschreiben. Nicht umsonst sind Schreibblockaden so alt wie die Niederschrift von Geschichten.

Viele Geschichten ranken sich um berühmte Autoren und ihre Musen und Unterstützer, die sie gepäppelt und vorangetrieben haben, dem nächsten Abgabetermin entgegen. Aber was tun jene, die alleine den kreativen Weg gehen? Glücklich sind die, die von ihrer eigenen Wirksamkeit überzeugt sind, von ihrem Tun, die die rechte Zielorientierung mitbringen und auch die nötige Sozialkompetenz haben, um sich in Netzwerken zu zeigen und andere auf sich aufmerksam zu machen. Wer freiwillig im stillen Kämmerchen sitzt und sich vielen Stunden der Einsamkeit aussetzt, um Parallelwelten auf das Papier zu bringen, ist oft introvertiert und nicht die „Rampensau“, die nach Lesungen und Publikum lechzt.

Shonda Rhimes, die wohl erfolgreichste Drehbuchautorin und Produzentin Hollywoods, gibt in ihrem Buch Year of Yes einen faszinierenden Einblick in das Leben einer introvertierten Kreativen, die sich trotz allem Erfolg noch immer vielen Ängsten stellen muss, um ein freies Leben führen zu können. Beurteilungen von außen, betreffen sie nun unsere Arbeit, unser Äußeres, unser Verhalten, sind nicht immer leicht zu ertragen. Oft machen wir den Fehler, unsere Arbeit oder unser Produkt mit uns selbst zu verwechseln. Wir fühlen uns selbst abgelehnt, obwohl nur unser Angebot abgelehnt wurde.Eine Enttäuschung schmerzt uns, aber Resilienz läßt uns schnell über eine solche Ablehnung hinwegkommen und einen anderen Weg zum Ziel suchen.

Die gute Nachricht ist: Resilienz läßt sich, so belegen Studien, nicht nur im Kindesalter erwerben. Innere Widerstandskraft, Selbstbewußtsein und Souveränität lassen sich wirksam fördern und entwickeln. Wir können die Beziehung zu uns selbst verbessern, uns selbst besser kennenlernen und unsere Stärken weiter ausbauen statt unsere Schwächen zu bedauern. Wenn wir Kontakte und Beziehungen zu anderen Menschen verbessern und unsere Umwelt positiv gestalten und verändern, fördern wir uns und die Voraussetzungen für unsere erfolgreiche Arbeit. Viele Schriftstellerinnen erwähnen in den Danksagungen ihrer erfolgreich publizierten Bücher ihr Netzwerk von unterstützenden Freunden und Kollegen, die ihren Teil zum erfolgreichen Werk beigetragen haben. Auch mir fallen schnell die nährenden Frauen in meinem Leben ein, die sich mit mir über Erfolge freuen und die meine Klagen über Enttäuschungen anhören. Jedoch sollen sie nur den Rahmen dafür bieten, in dem ich mir selbst helfen kann.

Denn das ist der eigentliche Sinn der Resilienz: Sie hilft mir, mir selbst zu helfen, selbst Wege zu finden, mit Problemen umzugehen und diese zu lösen.

Auch J.K. Rowling musste damit umgehen, dass ihr neues Buch zunächst abgelehnt wurde, als ihre etablierte „Marke“ nicht auf dem Titel stand. Hat der Verlag, der ihr neues Buch schließlich angenommen hat, gewusst, wer hinter dem Pseudonym stand? Der Humor und die wunderbare Größe, die Ablehnungen publik zu machen, spricht für einen sehr resilienten Umgang mit dem Thema wie auch schon der grundsätzliche Schritt, sich erneut, trotz all der vergangenen Erfolge, neuen Herausforderungen zu stellen:

Es gehört Mut dazu, ein neues Genre für ein neues, erwachsenes Publikum auszuprobieren. Es gehört Mut dazu, der Welt nach der Geschichte aller Geschichten einen anderen Helden zu präsentieren.

Und egal, wie viele sich gefragt haben ob sie „es noch kann“. Sie hat es getan; sie kann!


Jedes Mal, wenn ich von einer Fortbildung an einem Wochenende zurückkomme, bin ich einerseits müde, andererseits aber zufrieden, da mit neuen Einsichten versorgt. Vor einiger Zeit fragte ich mich, wie das wohl ist, ein Wochenende nur mit Selbsterfahrung zu verbringen, auf mich konzentriert, auf meine Ziele, Sorgen, Hoffnungen, nach neuen Perspektiven suchend. Ich wünschte mir Wellness für die Seele, in schöner Umgebung, rundum versorgt. Die Idee zum Spiritual Weekender war geboren.

Wollen Sie Last abwerfen, mal wieder die Seele baumeln lassen und dabei noch Neues über sich selbst erfahren?

Dieses PSYCHO_DETOX Wochenende hilft Ihnen bei der seelischen "Entgiftung" und erfüllt Sie mit neuen Perspektiven, Ideen und Energie. Egal, was Sie bearbeiten wollen: bringen Sie Ihr "Paket" an Sorgen, Ängsten, Konflikten etc mit und packen Sie es mit mir zusammen aus und an. Ich biete Ihnen meine persönliche Kombination von Methoden (systemische Beratung, Bachblüten-Gespräch, Reiki, PentaDesign) an, um mit Ihnen an einem entspannten Neubeginn zu arbeiten. Jede Reise von 1000 Meilen beginnt mit einem ersten Schritt.

Gerne bespreche ich vorab mit Ihnen, was Ihnen am meisten entspricht und Freude bereiten könnte. Als Vorbereitung betrachte ich mir mithilfe der PentaDesign-Methode Ihren Typ, Ihre Motivation und Ihr besonderes Talent, um das Potential der zwei Tage, die wir miteinander arbeiten werden, voll ausschöpfen zu können. Erfahren Sie, u.a., wie Sie Ihrem Typ entsprechend besser leben, lieben und arbeiten können, was Sie gesund und zufrieden macht und auf welche Weise Sie auf andere wirken. Dies wird unser Einstieg in Ihre Thematik, die wir an diesem Wochenende enstpannt und kreativ bearbeiten werden.

Sie kommen an einen besonderen, ruhigen Ort, der Ihnen Möglichkeiten der Begegnung, aber auch des Rückzugs bietet. Zwischen den Einheiten sind Ruhezeiten und Spaziergänge möglich. Sie werden nach Ihren Vorlieben verpflegt (vegetarisch oder vegan) und konzentrieren sich zwei Tage ausschließlich auf sich und Ihre Lösungen.

Eben Detox für die Seele.

Ich freue mich auf Ihr Interesse. Nähere Informationen unter 02207 703632, 0162 7889988 und Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.


Würden Sie gerne Gewicht verlieren, Ballast abwerfen? Unser Körper ist ein Spiegel der Seele und er drückt oft im Außen aus, was uns im Inneren belastet. Versuchen Sie schon länger, diese Herausforderung anzugehen? Jede Zeit kann die richtige Zeit sein, aber gerade die Wochen vor oder im Frühling scheinen uns besonders anzuspornen, Neues auszuprobieren. Lassen Sie uns diesen Schub nutzen.

Ich empfehle die hcg-Diät nach Anne Hild, da es sich hierbei um eine wirkliche, langfristig erfolgreiche Ernährungsumstellung handelt, die geschickt mit dem Gehirn zusammenarbeitet: Dieses braucht drei Wochen, um sich an eine Veränderung zu gewöhnen und diese neue Gewohnheit zu verfestigen. Ein Beispiel ist die Gewöhnung des Körpers nach drei Wochen an ein neues Gewicht, die, neben der Ernährungsumstellung, den Jojo-Effekt verhindert.  

Wie kommen Sie ins Tun und wie stellen Sie sicher, durchzuhalten? Auch die hcg-Diät verlangt eine gewisse Einarbeitung, Umstellung und Disziplin. Hierbei bin ich Ihnen gerne behilflich und biete Ihnen an, Sie 6 Wochen - dies ist die Mindestzeit dieser Ernährungsumstellung, bei Bedarf bin ich gerne länger für Sie da - mit psychologischem Rat und Gespräch zu begleiten. Neben der körperlichen Entgiftung, die diese Diät mit sich bringt, wird auch die seelischen "Entgiftung" Ihnen gut tun und kann Sie mit neuen Perspektiven, Ideen und Energie erfüllen. Gerne setze ich den "Werkzeugkasten" meiner Methoden entsprechend Ihres Typs für Sie ein, um Sie gut über die 6 Wochen und zur Erreichung Ihres Zieles zu bringen.

Meine psychologische Begleitung enthält: Hilfe mit dem Hintergrund und der Planung der hcg-Diät, meine tägliche Verfügbarkeit für Kurz-Kontakt per Telefon, Email oder wie gewünscht, 6 Beratungseinheiten (Einzelsitzung pro Woche) in meiner Praxis oder am Telefon oder Skype, Gruppenforum über Facebook (abhängig von Teilnehmerzahl), als Basis: PentaDesign-Analyse des Typs, Körpertyps, der förderlichen Ernährung etc.

Ich freue mich auf Ihr Interesse! Sie erreichen mich unter 02207 703632 oder 0162 7889988 und Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.


Der Totensonntag ist den Protestanten das, was den Katholiken Allerseelen ist: Es wird aller Toten gedacht, ihre Gräber werden zuvor gepflegt und hübsch zurechtgemacht und meistens ist es einer dieser grauen Novembersonntage, deren Witterung alleine schon Depressionen hervorrufen kann. Vor sieben Jahren wählte eine höhere Macht (oder ein Aneurysma) genau diesen Tag dazu, der Todestag meiner Mutter zu werden. Der Tag, an dem sie völlig unvorbereitet aus ihrem Leben gerissen werden sollte, sehr schnell und viel zu früh. Der Tag, der mir ein Trauma bereitete, das mich noch lange verfolgen sollte, auf die eine oder andere Weise. Der Tod erschreckt uns, er ist selten willkommen, er ist unausweilich und doch erwarten wir ihn nicht. Er wirbelt die Hinterbliebenen durcheinander, er macht viel Arbeit, er läßt keinen seelischen Stein auf dem anderen. Er führt zum Ausnahmezustand und ist doch das normalste der Welt: jeden Tag, jede Stunde, jede Minute sterben Menschen überall auf der Welt ohne uns zu berühren.

Sieben Jahre sind eine lange Zeit: die Zellen des Körpers tauschen sich einmal völlig durch, man ist sozusagen runderneuert, ein neuer Mensch, nicht mehr so jung, weiser hoffentlich, verändert und doch ähnlich. Ich habe das für mich Unvorstellbare gemeistert, das, was ich noch in weiter Ferne wähnte, bevor ich heute vor sieben Jahren auf diese laute Stille traf, als mein Körper wusste, bevor das Hirn folgte, dass da etwas nicht stimmte und dass sich erst durch die Sprache, die ich immer wieder an diesem Abend und in den folgenden Tagen finden musste, zur neuen Realität formte. Der Mensch, der mich auf die Welt gebracht und 42 Jahre begleitet hatte, war nicht mehr. Was noch nicht besprochen oder gefragt worden war, würde offen und unbeantwortet bleiben. Wofür noch um Verzeihung zu bitten gewesen wäre, blieb auf der Offene Posten-Liste. Zunächst war vieles zu tun und zu klären, aufzulösen, es musste alles so schnell gehen. Ich sehe mich noch vor den Bergen von Kisten und Möbeln, die wir zunächst umzogen und den den Bürgersteig füllenden Sperrmüllberg, der das Ende der Elternwohnung, eines, auch meines, Lebens dort repräsentierte.

Doch das große Aussortieren kam später. Das Befreien von alten Bildern, davon, wie die Dinge zu sein haben, wie ich sein soll, von alten Verletzungen, Beschränkungen. Und dann kam ein neuer Blick auf die Dinge, neues Wissen, kamen neue Menschen, ein neues Leben, all dies schien erst jetzt an der Zeit zu sein, nachdem das Alte abgeschlossen war.

Die systemische Therapie stammt aus der Familientherapie und zu ihr gehört das Stöbern in den Ahnenreihen, das Befragen der Eltern und Großeltern, das Aufzeichnen des Stammbaums, das Nachforschen in eigener Sache. Wen fragen, wenn niemand mehr da ist? Erst wenn es zu spät ist, fällt  auf, was alles ungefragt blieb.

Es war aufregend, in alten Papieren und Dokumenten zu wühlen, sich Zeit zu nehmen für die Vergangenheit, sich neu anzunähern, ein neues Verständnis zu gewinnen und neue Erkenntnisse. Auf einmal Dinge zu erfahren, die man nur erspürt, aber nie gewusst hat. Es gibt immer einen Weg, an Informationen zu kommen, sage ich meinen Klienten, aber fragt früh, so lange ihr noch könnt. Das macht die Dinge einfacher. Nur wenn wir die alten Muster erkennen, können wir sie aufbrechen. Nur wenn wir uns der Familien-Glaubenssätze, der unbewußten Loyalitäten, bewusst werden, können wir ihnen entkommen. Und nicht nur uns helfen wir, sondern auch denen, die nach uns kommen.

Gute Tochter? Rabentochter? Sieben Jahre und einen langen Weg weiter fühle ich mich nicht mehr ganz so mutterseelenallein. Stattdessen begleitet von guten Geistern. Sie waren wohl immer da.


Wenn wir in den Medien von sogenannten „Hasspredigern“ lesen und hören, werden 99% von uns darin übereinstimmen, dass wir solche nicht in unserer Mitte haben und wir sie sehr gerne in ihre, vermeintlich andere, also nicht-deutsche,  „Heimat“ entsorgen wollen. Üblich ist, den Hassprediger mit islamistischem Extremismus in Verbindung zu bringen, aber ich möchte den Begriff heute gerne auf einen weiteren Bevölkerungsteil ausweiten.

Wer verbal Menschen bedroht oder mit Plakaten herumläuft, die dies tun, ist ein Hassprediger. Wer meint, die Stammtische rechts der Mitte nicht der NPD überlassen zu wollen, aber in dieser Bemühung das Vokabular dieser Rechtsaußen bemüht, macht sich leicht zum Hassprediger. Wer mit gebastelten Galgen auf Demonstrationen herumläuft, an denen er Politiker aufknüpfen will, die nicht seine oder ihre Meinung teilen, ist ein Hassprediger.

Die Art des Dialog bzw. das Nichtvorhandensein des Dialogs mit bestimmten Gruppen in unserem Land ist nicht mehr hinnehmbar. Heute ist es in Köln, in meiner sonst für ihre Toleranz und ihre Offenheit bekannten Heimatstadt, zu einem gewalttätigen Anschlag auf Politiker gekommen, der zu schweren Verletzungen , wenn auch zum Glück nicht zum Tod der Opfer geführt hat. Es ist sicherlich verfrüht, sich ein realistisches Urteil bilden zu wollen, aber ersten Berichten zu folgen wird ein rechtsextremes Motiv vermutet, wohlmöglich gepaart mit einer schwer wiegenden psychischen Störung.

Einmal vorweg: Nur sehr wenige psychisch kranke Menschen sind gewalttätig und gefährlich. Sie werden, wenn die Krankheit erkannt worden ist, medikamentös eingestellt, in Krankenhäusern und Beratungsstellen betreut und nur in seltenen Fällen ist es nötig, sie für lange Zeit von der Gesellschaft fernzuhalten. Mit psychischer Krankheit geht genügend Stigmatisierung einher, die als solche schon Strafe genug für Kranke und ihre Angehörigen ist. Hier im Kölner Fall kommt für mich aber noch eine Komponente hinzu, die ich für weitaus gefährlicher halte.

Wie können wir es zulassen, dass seit Wochen fremdenfeindliche Ausschreitungen in deutschen Städten an der Tagesordnung sind? Wie deutlich beziehen wir als einzelne Stellung zu diesen Vorkommnissen? Wie reagieren wir auf jene, die sich von der Situation der Flüchtlinge überfordert sehen, gibt es einen Dialog, warum halten wir ihn für nicht möglich? Ist jeder Kritiker gleich ein Rechtsaußen, kann man diese Diskussion nur in schwarz oder weiß führen? Es gibt mir zu denken, dass der von mir als Autor sehr geschätzte Psychiater Dr Hans-Joachim Maaz den Pegida-Anhängern, wenn auch deutlich nicht deren radikalistierten und gewalttätigen Anhängern, Verständnis entgegenbringt und uns bittet, auch einmal die Ost-Perspektive einzunehmen. Da ist noch lange nicht das zusammengewachsen, was zusammen gehört und ich im tiefen Westen frage mich: Kann das jemals zusammengehören?

Und trotzdem: Wie reden wir mit- und über einander, welche politische Diskussions-Kultur herrscht? Wie reagieren wir, wenn mal wieder jemand pauschal über „die Politiker“ ablästert und sie mit Schimpfwörtern belegt? Wer hat sich daran gewöhnt, dass es normal zu sein scheint, dass Polizisten sich beleidigen lassen müssen, wenn sie ihren Job machen? Und über die Umgangstöne im Internet muss man sich gar nicht wundern, fördert doch die Anonymität jene Trolle, die Hassprediger vom Feinsten sind, die ihre Aggression, Wut, ihren Hass dort auskotzen, wo sie es sonst wohl nicht können.

Sprache ist Handlung. Wie wir miteinander kommunizieren, was wir über einander sagen, zeigt deutlich, wie wir miteinander umgehen. Das Attentat von Köln ist ein Symptom und wenn wir nicht wollen, dass sich die Situation verschlimmert, dass weitere Flüchtlingsheime brennen und unschuldige Menschen zu schaden kommen, dann sollten  wir an unserer Umgangskultur arbeiten.

Auch Taten vermeintlich kranker Menschen werden von Stimmungslagen mitausgelöst und getragen und so ist es an der Zeit für klare Signale an und Grenzen für den Hass und seine Prediger.

Hier kann jede und jeder mitmachen und sich fragen, wie wir kommunizieren und mit jenen umgehen, die unsere Meinung nicht teilen. Und wie wir mit dem Hass umgehen, sollte er in uns sein. So viel schon mal vorweg: Was wir an den anderen hassen, hassen wir an uns selbst.


„Nun muss zusammenwachsen, was zusammen gehört.“

Willi Brandt, 10.11.1989

Wieder einmal ist Tag der Einheit. Seit 1990 wird dieser Tag gefeiert und er ist genauso zu einem Ausschlaf- und Freizeittag verkommen wie so viele christlichen Feiertage, die unseren geschäftigen Leben eine Verschnaufpause liefern. Nur wenigstens wissen wir heute, was gefeiert wird. Und dieses Jahr ist ein besonderes Jahr, die Feierlichkeiten jähren sich zum 25. Mal.

            „Tief im Westen“, um mit Herbert Grönemeyer zu sprechen, haben wir nicht so viel hautnah mitbekommen, waren wir doch schon immer weit weniger betroffen als die westdeutschen Grenzregionen und natürlich die ostdeutschen Bundesländer, für die seit 1990 alles, alles so ganz anders kam, als irgendjemand es erwartet hatte.

Als ich 1988 die alte DDR bereiste und damals noch hautnah erleben konnte, was Sozialismus unter Erich Honecker bedeutete, stand ich in Ostberlin mit ostdeutschen Freunden auf dem Berliner Dom und schaute Richtung Westen, über bzw. zur Mauer, die die beiden Deutschlands trennte. Wir waren uns schmerzlich bewusst, dass die ostdeutschen Freunde nie reisen können würden, sie nach wie vor eingesperrt waren in diesem größten Freiluft-Gefängnis, das man sich nur vorstellen konnte. Ich machte damals meine erste längere DDR Erfahrung und fühlte mich meist unwohl. Ein freiheitsliebender, unabhängiger Mensch mit großer Klappe wie ich in einem so unberechenbaren, der Unlogik und Unsinnigkeit folgendem Staat – ich war dort einfach fehl am Platz. Seinerzeit auf den Spuren meines Vaters, der Anfang jenen Jahres 1988 verstorben war und der, obwohl in Köln geboren, prägende Jahre seiner Kindheit und Jugend in Leipzig verbracht hatte, suchte ich signifikante Orte auf. Meine Tante hatte ihre 5 Kinder in der Nähe von Dresden vor und während des Krieges zur Welt gebracht und war schließlich zurückgeflohen ins heimische Köln. Es gab so viele Geschichten, die ich gehört hatte und mit denen ich aufgewachsen war, aber gleichzeitig so wenig Kontakt in dieses Ostdeutschland, zu dem ich keine Beziehungen, wo ich keine Familie hatte. Dieses andere Deutschland war mir fremd, machte mir Angst und als dann so unerwartet der Hauch der Geschichte über Deutschland wehte, war ich so unbeteiligt, dass es mir im Nachhinein fast peinlich ist: ich verschlief den Mauerfall, bekam erst am Folgetag die Aufregung mit, als ich den Fernseher einschaltete und muss heute zerknirscht feststellen, dass amerikanische Freunde Flugzeuge nach Berlin bestiegen, um der historischen Stunde beizuwohnen, während ich einfach in meinem Köln blieb und mein Leben als Studentin fortsetzte. Für Kölner ist Berlin unendlich weit weg, Brüssel, Amsterdam, Paris, selbst London sind uns näher als diese seltsame Preußen. Und so ist es bis heute geblieben: der ganze Berlin-Hype interessiert mich nicht. Natürlich war und bin ich immer wieder mal dort, mein damaliger Arbeitgeber zog, wer tat das nicht, mit der Zentrale nach Berlin und so kam auch ich in den Genuss von pampigen Busfahrern, bestaunte verrottete Gebäude in Mitte, die noch Spuren des 2. Weltkrieges trugen und wunderte mich über frustrierte Westberliner, die ihrem alten Sonderstatus und der seligen Insel-Ruhe nachtrauerten.  Altes verschwand, Fassaden wurden erneuert, jeder Architekt von Welt und solche, die sich dafür hielten, mussten „ihr“ Gebäude in Berlin verwirklichen. Nichts passt zusammen, aber alles ist irgendwie Superlative.

Und während ich mich bis heute grusele, dass zahlreiche Ministerien in alten Nazi-Bauten Quartier bezogen, nimmt die Geschichte einen seltsamen Lauf und Berlin wird wieder schick, hip, verrückt und zieht sie alle an: Filmstars, Landeier, Kreative, Beamte, DJs und Touristen, Touristen, Touristen. Der Berliner von heute ist so genervt wie der Londoner seit Dekaden („I am not a tourist, I live here.“) Und so gilt heute für Berlin, was für London und England schon lange gilt: Berlin ist nicht Deutschland.

Mit leichter Sorge betrachte ich die Möglichkeit, dass Deutschland so kulturell verarmen könnte wie viele Länder mit zentralistischen Metropolen, wo die Hauptstadt alles ist während alle anderen Regionen und Städte zum Provinzstatus verdammt sind. Ich hoffe sehr, dass uns das nicht passiert, denn viel zu spannend finde ich viele deutsche Städte, die auf ihre Art zum Großprojekt Deutschland beitragen.

Viel ist geschafft, viel versaut worden, so ist eben das Leben. Ostdeutschland ist mir immer noch fremd: Hatte ich früher ab und zu beruflich dort zu tun, steht es heute für mich auch für Pegida und rechte Hohlköpfe, die ausländerfeindliche Parolen schreien und Häuser anstecken. Ich sehe die fleißigen und erfolgreichen Metropolen Leipzig und Dresden, diese alten Kulturstädte, die Großartiges hervor brachten und bringen. Es gibt aber auch diese entvölkerten Landstriche, wo niemand bleiben kann, da es keine Arbeit gibt.

            Es ist sehr viel geleistet worden auf beiden Seiten. Der Aufbau Ost hat viele Milliarden verschlungen, die Westler klagten über den Soli und neiden bis heute dem Osten die neu gebauten Straßen, während wir im Westen unsere Schlaglöcher umfahren, die wir bald mit Primeln bepflanzen können wie weiland in der DDR.

Ein Kreis schließt sich. Es ist noch nicht alles zusammengewachsen, was zusammen gehört.  Familien und so manche Freundschaft, die 40 Jahre deutsche Teilung mit Besuchen, Westpaketen etc. überbrückt hatten, sind an der Wiedervereinigung zerbrochen. Waren die ehemals Bedürftigen zu undankbar, die Gönner zu arrogant?

Es gab den Goldrausch, die Besser-Wessis und den doofen Ossi, all die Klischees und Vorurteile, die entstehen, wenn zwei sich nicht kennen und erst einmal eine ganze Menge übereinander vermuten. Ich habe prächtige Ostler kennengelernt, mit denen ich gerne gearbeitet und die ich für ihre Zielstrebigkeit bewundert habe. Die Berliner sind mir fremd geblieben, obwohl ich ihren Humor und ihre Herzlichkeit schätze, hinter ihrer rauen Schale einen weichen Kern vermute und sie um ihren Gleichmut beneide.

Wenn ich mit ausländischen Freunden durch Mitte streife und mich in vielen Bistros und Restaurants auf Englisch bedienen lasse, fühle ich mich in einer gefaketen Blase, die aber allen Gästen gut zu gefallen scheint. Und daher sei’s drum, lasst uns jetzt mal hip sein und Berlin der nächsten Generation überlassen, die die Coffeeshops zu ihren Büros macht, die Clubs ab Mitternacht bevölkert, die nächste digitale Revolution plant und "irgendwas mit Medien" macht.

Ich habe großen Respekt vor der Lebensleistung derer, die vor 25 Jahren ohne Wahl in ein neues System gedrängt wurden, darin überlebt haben und sogar erfolgreich geworden sind, obwohl sie mit Reisefreiheit und erweitertem Warenangebot zunächst auch erst einmal zufrieden gewesen wären. Der Kapitalismus ist nicht alleine seelig machend, die Demokratie arbeitet oft lang-  und  mühsam und während der Wind der Globalisierung immer kühler durch unser Land weht, wünschen sich Ost und West die Segnungen der sozialen Marktwirtschaft zurück, die immer mehr bröckelt.

Die nächste Generation weiß um die einstige Teilung nur noch aus Erzählungen und den Geschichtsbüchern, Kanzlerin und Präsident kommen aus dem Osten, die Kinder meiner Freunde studieren in Weimar, Rostock, Greifswald und Potsdam.

Lieber Willi Brandt, sehr verehrter Herr Altbundeskanzler: Es hätte schlimmer kommen können. Wir sind auf dem Weg.


Parties. Geburtstagsfeiern. Smalltalk. Mögen Sie die Frage nach Ihrem Beruf oder ist sie Ihnen lästig? Haben Sie zuweilen auch das Gefühl, mit der Auskunft schnell in eine Schublade gesteckt zu werden? Nicht immer versteht Ihr Gegenüber,  was Sie denn den ganzen Tag so tun. „Senior Vice President“, wunderte sich ein Bekannter neulich über diesen Titel seines ehemaligen Klassenkameraden. „Und was machst du da?“

Ahnen Sie vielleicht eine Ihnen eher unliebsame Reaktion voraus und bewahren lieber Stillschweigen?  Ein befreundeter Orthopäde umgeht es gerne, auf dem gemütlichen Grillabend über das schmerzende Knie der Schwiegermutter der Gastgeberin informiert zu werden und möchte auch nicht hören , dass Sie gerade „Rücken haben“. Dagegen ist meine Freundin, eine Bestatterin, Kummer gewöhnt: Ihre rheinische Frohnatur überbrückt auch den leisesten Anflug der peinlichen Berührung, die verdutzte Partybekanntschaften sehr schnell auf ein anderes Thema lenken lässt.

Und die Psychotherapeutin? Auf manche hat dieser Beruf eine ähnliche Wirkung wie die der Bestatterin: Es gibt ihn, aber man will doch eher nichts damit zu tun haben. Sterben tun immer nur die anderen und psychisch krank oder therapiebedürftig, und sei es auch nur vorübergehend, sind garantiert auch nur die anderen. Ein ganz wunderbares Buch zum Thema Therapiealltag hat die Kollegin Andrea Jolander geschrieben („Da gehen doch nur Bekloppte hin. Aus dem Alltag einer Psychotherapeutin“). Sie erklärt sehr humorvoll und verständlich, was Therapie ist, wie sie ablaufen kann und wer sie ausübt. Andrea Jolander geht in ihrem sehr lesenswerten Buch auf die unterschiedlichen Therapeuten und Therapierichtungen ein. Gerne füge ich noch die Perspektive der Heilpraktikerin für Psychotherapie mit einigen Informationen hinzu:

Es gibt neben den Ärzten und Psychologen, die Psychotherapie als Kassenleistung anbieten können, auch die Gruppe der Heilpraktiker für Psychotherapie, die, nach einer Therapieausbildung und mehrjähriger Vorbereitung auf die sogenannte Heilpraktikerprüfung,  schließlich durch das Gesundheitsamt ihres Kreises überprüft werden.

Heilpraktiker für Psychotherapie dürfen keine Psychosen therapieren und,  ebenso wenig wie ihre psychologischen Psychotherapeuten-Kollegen, Medikamente, so genannte Psychopharmaka,  verschreiben. Letzteres ist ausschließlich den Ärzten, vor allem den Psychiatern vorbehalten, an die der Heilpraktiker für Psychotherapie betroffene Patienten gegebenenfalls überweist. Auch werden sie unter uns Heilpraktikern keine Psychoanalytiker oder Verhaltenstherapeuten finden, denn diese Therapierichtungen sind den Ärzten und psychologischen Therapeuten vorbehalten.

Es gibt momentan 3 wissenschaftlich überprüfte und für effizient befundene Therapierichtungen, dies sind die Psychoanalyse, die Verhaltenstherapie und die systemische Therapie. Allerdings sind momentan nur die ersten beiden als Kassenleistungen zu nutzen.

Heißt das, dass Sie die Kosten für eine Therapie beim Heilpraktiker immer selbst zahlen müssen? Das hängt davon ab, bei welcher Krankenkasse Sie versichert sind. Private Krankenkassen übernehmen in vielen Fällen  die Kosten für Heilpraktikerleistungen und immer mehr Zusatzversicherungen, aber auch gesetzliche Krankenkassen, schließen solche Behandlungskosten mit ein. Es lohnt sich immer, bei der Wahl der Kasse darauf zu achten, dass Leistungen wie Psychotherapie und Behandlung durch einen Heilpraktiker in den abgedeckten Leistungen vorhanden sind.

Für wen kann es von Vorteil sein, die Kosten für eine psychotherapeutische Behandlung selbst zu tragen?  Es kursieren erschreckende Geschichten, deren Wahrheitsgehalt ich nicht überprüfen kann: Sie handeln z.B. von Lehramtsanwärtern, die nach einer Psychotherapie angeblich nicht verbeamtet werden können und von Managern in der Wirtschaft, die nach einer Therapie vermeintlich als nicht mehr belastbar im Job wahrgenommen werden.

Es ist ein trauriger Fakt, dass psychische Probleme und psychische Krankheiten nach wie vor von unserer Gesellschaft stigmatisiert werden.  Dabei sollte genau das Gegenteil gelten: Gerade Menschen, die sich ihren Problemen und Schatten stellen und für ihre seelische Gesundheit sorgen, sind dafür geeignet, in ihrem Beruf belastbar und erfolgreich zu sein.

Und wie halte ich es nun auf der Party? Ich denke, ich bleibe, wie der Orthopäden-Freund, in zivil und ganz bei unseren Freunden und beim Grillgut. Und sollten wir uns schon einmal beruflich begegnet sein, werde ich das nicht zu erkennen geben, denn Heilpraktiker haben, genau wie Ärzte, Schweigepflicht.


„Christmas... is not an external event at all, but a piece of one's home that one carries in one's heart.“ 

Absence is one of the most useful ingredients of family life, and to dose it rightly is an art like any other."

Freya Stark (1893-1993)

 

Das Fest der Liebe naht. Wir bemerken es seit September am Weihnachtsgebäck-Angebot in den Supermärkten, seit November am unvermeidlichen Weihnachtsmusik-Gedudel in den Geschäften, an den unzähligen Weihnachtsmärkten, auf denen Menschen sich glühweinselig den Hintern abfrieren, an den kürzer werdenden Tagen, den immer länger werdenden Nächten, die jetzt mit watt-reichen Beleuchtungen erhellt werden. Die Maschinerie ist im vollen Gang und die Menschen werden nervöser. So viele Geschenke zu besorgen, so viel zu planen, so viele Streitereien, die Nerven liegen blank.

Wie das zum Fest der Liebe passt? Das Fest muß so unendlich viele Projektionen verarbeiten, die auf ihm vereinigt werden, so viele Erwartungen, Wünsche, verherrlichende Erinnerungen, denen wir gerecht werden möchten. Es wundert nicht, dass in keinem anderen Monat so häufig gestritten wird wie im Dezember und ein Drittel der Scheidungen wird nach Weihnachten eingereicht. Was für die einen der schönste Feiertag des Jahres ist, ist für die anderen der blanke Horror. Ist Weihnachten wie Rosenkohl, man liebt oder man haßt es? Lässt es so gar keine gelassene Gleichgültigkeit zu?

In meinem Nähkästchen findet sich die Weihnachtsliebende, die seit Jahren voller Tränen und Enttäuschung versucht, die vermeintlich glücklichen Familienerinnerungen an Weihnachten wiederzubeleben, was in Ermangelung der inzwischen verstorbenen Familie ein schwieriges Unterfangen ist. Sie hat alles versucht: zu Hause so tun als ob, stattdessen zu verreisen, sich eine Familie zu borgen - es hat alles nichts genutzt. Vergessen sind die alljährlichen und gewohnten, wenn auch besonders heftigen Streitigkeiten der Eltern zum Fest, erinnert wird nur das allgemeine Gefühl des Beschenktsein, Sattseins, des Friedens und der guten Laune, als denn endlich alle Kerzen brannten. Vergessen auch irgendwie, dass der beste Moment war, sich endlich mit den neuen Büchern zurückzuziehen und sich in den fremden, vorab so sehr gewünschten Welten zu verlieren.

Daneben im Kasterl der Weihnachtshasser, der sich schon mit Auftauchen der ersten Weihnachtsbeleuchtungen in seiner SAD gestört fühlt und Weihnachten eher als Belästigung empfindet, allemals noch ein Fest für Kinder. Er wird regelmäßig zum Fest krank, da er wohl keine guten Erinnerungen an das hat, was in seinem zu Hause als seligmachendes Weihnachtsstück aufgeführt wurde. Und alle Jahre wieder: Genesung und beste Laune bei allen Beteiligten ab dem 1. oder 2. Weihnachtsfeiertag, wenn denn endlich wieder der Zauber vorbei ist.

Seien wir ehrlich: Ist es nicht ganz schön mutig, zu seiner Weihnachtsaversion zu stehen, ist diese doch politisch so gar nicht korrekt? Lieber säuselt man im Ton der anderen, auch wenn es wehtut und oft auch wenig authentisch ist. Wir laufen wie die Hamster im Rad, um dem Perfektionismus der Home Stories mancher Facebook-Freunde oder Journale nachzueifern, nehmen Kredite auf, um die Wünsche der Lieben zu erfüllen, sorgen uns Geschwüre in den Bauch, ob wir es allen recht machen, ob der Braten auch schmeckt und sich die Schwiegereltern vielleicht dieses Jahr mit den eigenen Eltern verstehen werden.

Davon abgesehen, dass zu Weihnachten doch lediglich ein Geburtstag zu feiern wäre – nämlich der von Jesus – scheint die eigentliche Herausforderung doch eher mit der eigenen Familie zusammenzuhängen, von der wir zu viel oder zu wenig haben, an deren Mitgliedern wir uns reiben, die das richtige oder falsche Verhalten an den (Weihnachts)Tag legen. Oder können wir es zugeben: Liegt es (auch) an uns?

Ich kenne durchaus auch Menschen, die zum Weihnachtsfest in Stammesstärke zusammenkommen, sich aneinander freuen, Verpflegung in Mannschaftsumfang auf den Tisch bringen und einfach nur miteinander glücklich sind. Pro Stamm bedarf es mindestens einer sehr weihnachtsbegeisterten Person, die ihre Freude übersprudelnd an die anderen weitergibt und auch die praktische Arbeit leistet, ohne die das Fest der Feste nicht gelingen wird.  Weihnachten, das Fest der Liebe, ist eben gerade in Deutschland zuerst einmal ein Familienfest.

Was also tun mit diesem Fest Weihnachten, wenn die Voraussetzungen eher suboptimal sind? In Anlehnung an eines meiner Lieblingszitate „Es ist nie zu spät für ein glückliches Weihnachtsfest!“ könnten wir versuchen, das Fest zu entfrachten. Wenn wir in der Kernfamilie die Liebsten fragen, was sie sich vom Fest erhoffen, könnten wir versuchen, dem anderen entgegenzukommen. In der Großfamilie könnten wir ein „Augen zu und durch“ durch eine Gelassenheit ersetzen, die aus dem beruhigenden Wissen um die Begrenztheit der zu bewältigenden Zeit entsteht. Wir könnten Menschen einladen, die uns lieb sind, auch wenn sie nicht zur Familie gehören. Wir könnten Tür und Haus öffnen für die, die ohne einen Stamm auskommen müssen und vielleicht sogar Lust haben, unsere Familiendynamik durch ihr Dabeisein zu entschärfen. Oder wir könnten uns entziehen, wenn es sich richtig anfühlt. Drei Tage durchschlafen, zum Beispiel.

Zu optimistisch? Sollen doch eher, wie immer, die Fetzen im trauten Heim fliegen? Auch das ist eine Entscheidung, ein Weg, den ich wählen kann, nicht muss. Lasse ich die anderen meine Knöpfe drücken, die mich zum explodieren bringen? Ich empfehle das Experiment, sich dagegen zu entscheiden. Mal sehen, ob es gelingt. Und nicht nur zur Weihnachtszeit!


Dieses Jahr war zäh. Schon wieder. Ich scheine in meiner zähen Lebensphase zu sein. Werde ich in einigen Jahren auf die 10er Jahre zurückblicken und sagen: „Ja, das waren die zähen Jahre!“? Es wird an allem gerüttelt, alles noch mal geschüttelt und gerührt, nach oben gebracht, bevor es wieder hinuntersinkt und es mag auch damit zu tun haben, dass ich mich durch meine Ausbildung natürlich auch in einem Prozess befinde, der intensiver sein mag als säße ich, schön abgelenkt, irgendwo im Büro.

Und so ist das Highlight meines Jahres: Ich habe gelernt, Feuer zu machen. Da ich nie bei den Pfadfindern war und auch Campingurlaube nicht zu meiner Sozialisation gehörten (Ich 'armes' Kind kenne selbst Stockbrot nur vom Hörensagen!), beschränkte sich meine Erfahrung mit der Erwärmung von Räumen auf das Aufdrehen des Heizungsthermostats. Erst in diesem Jahr packte mich der Ehrgeiz -  und ich erspare Euch die Details, die mich dazu führten – den prächtigen Kachelofen unserer Hauses doch bitte selbst befeuern zu können, auf dass die vielen Quadratmeter Wohnzimmer gemütlicher Lernort für mich werden konnten. Und siehe da: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Es rauchte, knackte, knallte und dampfte und viele Zeitungsseiten und Streichhölzer später flackerte ein lustiges, kleines Feuer im Brennraum und dann machte ich mich daran, den ersten Fichten-Anzündscheitchen dickere Stämme und dann das Hartholz hinzuzufügen. Und so mache ich nun jeden Morgen eine meditative Erfahrung.

Es braucht so verschiedene Dinge, um ein Feuer zu entfachen, um es anzufeuern und dann am Brennen zu halten. Ein winziges Streichholz (aber der Kopf macht’s) setzt das Ganze in Gang. Die Zeitung ist dünn und flammt lichterloh, man erhält einen wahren Feuerball, aber nach ein paar Sekunden ist es auch schon wieder vorbei damit. Daher kommen schnell die kleinen Scheite hinzu, die man vorher kleingespaltet hat und die natürlich trocken sein müssen. Holz sollte 3 Jahre lagern, bevor man es verbrennt. Das Erfolgserlebnis schlechthin ist dann für einen Anfänger wie mich, wenn das erste Feuerchen endlich vor sich hinflackert und man die dicken Scheite nachlegen kann. ABER, und das ist nicht zu unterschätzen: Das Feuer verlangt Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Wie lege ich die dicken Brocken hinein, ohne das Feuer zu ersticken? Ein gutes Feuer braucht Luft, damit sich die einzelnen Hölzer gegenseitig anstecken können. Auf Lücke geschichtet klappt es ganz hervorragend. Unser Kachelofen will dann aber auch bedient werden, je nach Feuerstand müssen Klappen geschlossen und Regler umgelegt werden. Bin ich im Haus unterwegs und mit anderen Dingen beschäftigt, wird der Zeitpunkt eventuell verpasst und die Glut wird nicht gehalten. Will man erneut ein Feuer machen, muß man die Glut zum rechten Zeitpunkt abpassen. Zeit- und arbeitsintensiv, so scheint es. Wie das Leben.

Wer etwas Neues beginnen will, muß Feuer machen können. Es braucht Geduld, bis die neue Idee auch andere entzündet, man selbst zündet so manches Strohfeuer, was zu schnell erlöscht. Wenn wir Menschen beobachten, die so ganz in ihrem Element sind, so dass sie von innen leuchten und ihrer Aufgabe voller Begeisterung nachgehen, dann sprechen wir davon, dass diese für ihre Sache brennen. Manchmal ist man das lodernde Papier oder nur das Zündholz am mächtigen, nassen Holzblock und hat einfach nicht die Chance, diesen zum Zünden zu bringen. Das mag frustrieren oder erzürnen, letztendlich bleibt uns nur, uns trockenes Spaltholz zu suchen und von vorn zu beginnen.

Ich habe in diesem Jahr Zeit mit zündenden Persönlichkeiten verbringen dürfen und freue mich über den ein oder anderen Geistesblitz, der sich auf mich übertragen hat. Es waren Anzünder,  Brandbeschleuniger und wunderbar glühende, dicke Stämme dabei. So mancher hat nur so vor sich hingeglimmt, aber auch daraus läßt sich bei Interesse doch wieder ein Feuerchen machen. Ich habe viele Feuer gelegt, von denen einige nicht gezündet haben, einige  eher auf Sparflamme laufen und wieder andere vielversprechend vor sich hin knistern und glühen.

Für das neue Jahr wünsche ich mir, dass ich beständig wie ein stetes Feuer meinem Ziel entgegenbrenne, dass mich die eigene und die Puste der Freunde in der Glut erreicht, so dass sie mir helfen, mein Feuer für die Sache zu erhalten, dass ich ihnen im Gegenzug ein warmer Ort sein kann, an dem sie sich entspannen und ausruhen, aber auch anregen lassen können, dass wir Zeit für einander und miteinander haben werden, dass Gott und Göttin uns noch eine Weile zusammen sein lassen.

Und während ich dies schreibe, ist draussen völlige Dunkelheit, die Hunde liegen gemütlich am Ofen und mir fällt ein, dass so ein Feuer auch Licht ist, wonach wir uns in diesen Tagen alle sehnen. Der dunkelste Tag des Jahres in unserer nördlichen Hemisphäre ist nicht mehr weit entfernt und dann werden die Tage wieder länger. Aus dem trüben Nichts, dem Grau in Grau, entsteht ein neues Jahr mit vielen neuen Geschichten, Möglichkeiten, Begegnungen und auch, hoffentlich für Euch und mich, vielen – metaphorischen - Feuern.

Mit den besten Wünschen für eine entschleunigte Weihnachtszeit und ein glückliches, gesundes und friedliches 2015!


Diese Woche erreicht mich die Nachricht vom Tode meines Onkels. Auch wenn er im gnädigen Alter von 80 Jahren verstorben ist, ist es doch für alle ein Schock, da er plötzlich, im Schlaf, verstorben ist. Was für viele eine Wunschvorstellung ist, dieses Hinübergleiten im Schlaf in eine andere Welt, ist für die Hinterbliebenen bei aller Dankbarkeit dafür, dass er nicht leiden musste, doch der Beginn der Trauerzeit. Seine Töchter sind nun, wie ich, Vollwaisen. Es mag manchem komisch erscheinen, dass man sich als über 40jährige so nennt, aber stimmen tut es doch. Wenn beide Elternteile nicht mehr da sind, erlebt man sich als ziemlich verlassen und nun in erster Reihe stehend. Die Eltern sind fort, wir können sie nichts mehr fragen. Die Familie, das sind jetzt wir mit unseren Kindern. Oder auch nur wir, wenn wir keine haben.

Wenn beide Eltern nicht mehr leben, lösen wir unser zu Hause auf. Manchmal ist es schon vorher geschehen, in kleineren Schritten, vielleicht der Umzug vom Haus in eine Wohnung, eventuell dann in ein Altersheim, eine Reduzierung auf ein paar Erinnerungsstücke aus dem alten Leben. Oder wie in meinem Fall: Auflösung von zwei Generationen, dem Leben meiner Eltern nach dem Tode meiner Mutter und dem Leben meiner Großeltern, deren Habe recht umfänglich im Haushalt meiner Mutter Einzug gehalten hatte. Da auch meine Mutter plötzlich verstarb, hatte ich nur wenige Wochen Zeit, diese Unmengen von Dingen und Sachen aus 70 Jahren und mehr auszuräumen, wegzuwerfen, aufzubewahren.  Ich erinnere mich an all die Möbel und Kisten in meinem Hausflur, als ich zu meinem Mann sagte: "Ich habe das Gefühl, meine Mutter ist bei uns eingezogen." Nach einiger Zeit wirft man dann doch das meiste weg, von dem man sich erst nicht trennen konnte, oder verschenkt es im günstigsten Fall.

Es bleibt der Verlust des Ortes: Nur wenige von uns bewohnen heute noch den Ort unserer Vorfahren, das Familienstammhaus. Zu viele von uns ziehen umher in der Welt, von Job und Wanderlust getrieben, durch die Liebe an andere Orte gezogen. Manchmal hat das auch sein Gutes, Orte können auch belastet und belastend für uns sein. Und doch ist da auch die Trauer um ein Haus oder eine Wohnung, in der Familiengeschichte stattgefunden hat, das vielleicht Generationen zu unserer Familie gehört hat und dessen Schlüssel wir nun übergeben. Wir wissen, dass es richtig ist, logisch, praktisch und doch ist da das leichte Ziehen in Herz- und Magengegend, wenn wir die Tür hinter uns schliessen. Heimat ist mehr als ein Haus, aber auch das gehört dazu. Wie der Abschied zum Leben gehört und der tut weh.


Von intimer Autobiografie, Selbstmord, Überleben und Resilienz

Rauschen im Blätterwald. Wieder gibt ein Buch von Hape Kerkeling den deutschen Medien Grund für viele Schlagzeilen. Nach dem Überraschungserfolg „Ich bin dann mal weg“, das Kerkelings sehr private Pilgererfahrung auf dem Jakobsweg gewohnt humorvoll, aber auch ungewohnt tiefgängig beschrieb, erlaubt sich jetzt der Entertainer in seiner Autobiografie aus seinem Leben, seiner Jugend zu erzählen.

Und nun der Schreck: Da war nicht alles lustig! Und das teilt er mit.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen naiv dem Glauben anhängen, dass man von Menschen, die beruflich lustig sind, erwartet, dass diese auch von morgens bis abends von einem Schenkelklopfer zum nächsten eilen. So als würde der Klempner nachts noch Waschbecken anschließen, der Gärtner nie den Spaten aus der Hand legen und der Buchhalter immer und ständig seine Akten mit sich herumtragen. Und es kommt noch schlimmer: Einige der größten Komiker der Welt bekennen sich zu psychischen Krankheiten.

Für mich einer der Größten überhaupt, John Cleese, war viele Jahre in Therapie und hat mit seinem Therapeuten gemeinsam Bücher geschrieben. Robin Williams, der sich in diesem Jahr das Leben nahm, kämpfte Jahrzehnte gegen seine Depressionen an, bis er den Kampf verlor.

Und Hape Kerkeling tut nun etwas Ungewöhnliches: er beschreibt den Selbstmord seiner Mutter, den er als Kind im wahrsten Sinne des Wortes hautnah mitbekommen hat. Da treffen gleich einige Tabus aufeinander:

  • Es wird über den Tod gesprochen.
  • Es wird über Selbstmord gesprochen.
  • Es wird über Depressionen gesprochen.
  • Es wird über Traumatisierung gesprochen. Oder etwa nicht?

Wow – und dann wird der Kerl Komiker. Darf der das und darf der jetzt über all das reden? Schnell wird Kritik laut: Das sei doch jetzt zu intim und damit dürfte man ja nun doch nicht so an die Öffentlichkeit treten. Und warum kommt er denn damit erst jetzt?

Wir können ja mal spekulieren: Kerkeling hat nichts mehr zu verlieren, er hat seine Meisterschaft schon lange erreicht (auf jeden Fall als Komiker) und nun Freude daran und auch wohl ein Bedürfnis, sein Leben aufzuschreiben. Wie soll so eine Aufzeichnung seiner Jugend ohne einen der ganz zentralen Punkte funktionieren? Da muß sich einer schon lange nicht mehr verstecken, nicht als Schwuler, nicht als Opfer einer „schlimmen“ Kindheit. Wirklich ein Opfer?

Wie schlimm diese Kindheit war, wird im Buch sehr liebevoll widerlegt. Ein enges Familiennetzwerk mit starken Frauen fangen den Jungen auf und geben so ein Paradebeispiel für eines der neueren Forschungsfelder der Psychologie, die Resilienz. Warum zerbricht der eine an einer Erfahrung, während eine andere aus der gleichen oder ähnlichen Erfahrung wieder heil und stark genug hervortritt? Geklärt ist bereits, dass verfügbare Bezugspersonen in der Umgebung nach erlebtem Trauma bzw. in schwierigen Situationen wie Krieg, Vertreibung und Armut sehr wichtig sind. Es müssen nicht immer Verwandte wie Onkel, Tanten oder Großeltern sein, auch ein älterer Freund, ein Nachbar, eine Lehrerin können diese wichtige Rolle übernehmen. Jemanden zu haben, der an uns glaubt und der uns unterstützt, stärkt ungemein. Indem wir einen Platz in der Gruppe finden und diesen verantwortlich einnehmen, wächst unser Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten. Alles, was uns mit anderen zusammenschweißt, hilft, auch der Glaube. Zu diesem hat sich Hape Kerkeling immer wieder bekannt, zum Christentum, zum Buddhismus, zum Gottvertrauen im Allgemeinen. Sollte die Schlagzeile nicht lauten: „Kind durch Liebe gerettet“? Oder auch: „Kind durch Schicksalsschlag seinem ureigenem Talent zugeführt“?

Wir sollten Hape Kerkeling für seine Offenheit danken. Jedes Jahr töten sich in Deutschland ca. 12.000 Personen selbst (die Tendenz ist in dieser Dekade wieder steigend) und hinterlassen ein Vielfaches dieser Zahl an verzweifelten, verstörten und hilflosen Angehörigen und Freunden. Es wird viel getan, um diese schreckliche Zahl zu verringern, aber wenn das Unvorstellbare doch geschieht, so zeigt uns Kerkeling, dass es mithilfe anderer Menschen einen Weg geben kann, mit einer solchen Erfahrung erfolgreich weiterzuleben. Es helfen uns jene, die uns fördern und fordern, die uns akzeptieren und lieben. Die uns unsere Ressourcen aufzeigen und uns diesen zuführen, vielleicht nicht immer bewußt, aber immer mit der richtigen Grundeinstellung: der der liebevollen, bedingungslosen Unterstützung, komme da was wolle.

Die besten Komiker können auch die ganz leisen Töne. Wahrscheinlich kennen sie oft beide Seiten der Medaille, die große Komik und die tiefe Traurigkeit. Übrigens heißt der neue Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Harald Schmidt.


Manchmal finden uns Dinge, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie suchten.

Als mich Blütenessenzen fanden, hatte mein Leben so viel mit Gesundheit und Spiritualität zu tun wie eine Currywurst mit veganer Lebensweise. Ich leitete damals eine Informationsfirma, arbeitete in den USA und wusste nur, dass etwas fehlte. Über die Essenzenausbildung fand ich zu inspirierenden Menschen, die mir neue Wege zu Gesundheit und Spiritualität aufzeigten und manchmal genügte ein Wort, ein Begriff, der mich neugierig machte auf ein neues Thema.

Als mich die FrischeKosmetik von Ringana in Form meiner Freundin Sue fand, war es wieder wie ein fehlendes Teil im Puzzle: Schönheit mit Hilfe von Pflanzen und dazu gehörig die Themen Vermeidung von chemischen Inhaltsstoffen, Nachhaltigkeit, Tierschutz, Ethik – das passte wie ein maßgefertigter Schuh.

Und nun die Nachtkerze. Seit ich mir vorgenommen habe, für WirklichFrau® über ausgewählte Pflanzen zu schreiben, die in unserer Kosmetik eine besondere Rolle spielen, und die Nachtkerze die Ehre hat, als erste den Reigen meiner losen Pflanzenportraitfolge zu eröffnen, begegnet sie mir überall. Sie wächst leuchtend gelb an Nachbars Wand, ganz prächtig auch am Eingangstor meiner Herzensfreundin und sie fällt mir überall auf. Ich hätte nie gedacht, dass sie um mich herum so zahlreich vertreten ist.

Der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl, der sich in zahlreichen Veröffentlichungen kenntnisreich und sehr unterhaltsam zu Pflanzen und ihrer Bedeutung in Medizin, Mystik und Kultur äußert, berichtet, dass die Nachtkerze ursprünglich aus Nordamerika Anfang des 17. Jahrhunderts nach Europa gebracht wurde. Bei uns wächst sie von Juni bis September und ist eine Königin der Nacht. Sie braucht zur Bestäubung die Nachtfalter, die sie in den Abendstunden mit ihren leuchtend-gelben Kelchen anzieht. Das Öffnen der Kelche erinnert an die Entpuppung eines Schmetterlings und der Duft von Vanille tut ein Übriges für ihre Anziehungskraft. Seit der Barockzeit hat diese Dramaqueen einen festen Platz in aristokratischen Gärten, aber nicht viel später hält sie auch Einzug in die bürgerlichen Bepflanzungen. Das wirklich Spannende an der Ethnobotanik ist für mich jedoch die Bedeutung, die die HeilerInnen und auch der oft geschmähte Volksglaube den Pflanzen beimißt: Ist sie ein Sinnbild der Flüchtigkeit des Lebens oder ein Zeichen heimlicher Liebe? Auf jeden Fall werden ihre Sproßspitzen als Aufguß seit langem von den nordamerikanischen Ureinwohnern gegen Husten und Magen-Darm-Krämpfe eingesetzt und auch bei Schwellungen und Quetschungen soll sie helfen.


Der richtige Hype um die Nachtkerze, botanisch Oenothera biennis oder auch Evening Primrose, wie sie im englischen Sprachraum heißt, begann aber erst seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts: Die Medizin entdeckt das aus den Samen der Nachtkerze gewonnene Wunderöl, das sehr vielfältig einsetzbar ist, als reich an essentiellen Fettsäuren. Besonders hervor sticht die darin enthaltene Gammalinolensäure, die u.a. unserer Haut bei der Regeneration behilflich ist.

Und so begegnet mir die Königin der Nacht momentan nicht nur in der Natur, sondern täglich auch in meiner Hautcreme. Und meiner Blütenessenz-Sammlung will ich sie in ihrer amerikanischen Form jetzt ebenfalls hinzufügen, was wiederum meine Arbeit wieder einmal Richtung Amerika öffnet. Was man auch einen „full circle“ nennt - manchmal finden uns die Dinge eben.